Die Geschichte des Radios
Der Anfang
Die Menschheit träumte schon immer davon, Informationen über große Distanzen zu übermitteln. Anfangs mittels Lichtzeichen auf hoher See und Rauchzeichen auf dem Land. Die technische Voraussetzung für die Erfindung des Radios war die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz (*22.02.1857 in Hamburg; † 01.01.1894 in Bonn) im Jahr 1886. Basierend auf Hertz’ Entwicklungen erfindet Nikola Tesla (*10.07.1856 in Smiljan, heutiges Kroatien; † 07.01.1943 in New York, USA) 1893 die Radiotechnik. Umgesetzt wurde die Technik schließlich neun Jahre später vom Kanadier Reginald Aubrey Fessenden (*6.10.1866 in East Bolton, Québec; † 22.07.1932 in Bermuda): Ihm gelang an Weihnachten 1906 erstmals die drahtlose Übertragung von Sprache und Musik. Das war die Geburtstunde des Radios!
Der Chic kommt
Am 28.10.1923 wurde aus dem Berliner VOX-Haus das erste mal Unterhaltungsradio gesendet. Ein flotter Foxtrott. Und wen wundert’s, dass das Radiohören schon bald ‘chic’ war und so richtig in Mode kam? Es gab zwei verschiedene Empfangsgeräte:
- Detektorgeräte
- Röhrengeräte
Das Detektorgerät konnte sich jeder leisten und es brauchte keinen Stromanschluss, es benötigte jedoch eine Hochantenne, die ca. 25 Meter lang sein musste. Das Röhrengerät brauchte zwar keine Antenne, dafür war es aber sehr teuer in der Anschaffung. Zudem benötigte es teure Batterien, da es zu der damaligen Zeit noch keinen Wechselrichter gab, der den Wechselstrom aus der Steckdose in den vom Radio benötigten Gleichstrom umwandeln konnte.
Die Politik beäugte das neue Medium skeptisch. Wenn es schon existieren musste, dann wenigstens unter staatlicher Kontrolle. So wurde die Industrie dazu verpflichtet, die Geräte so zu bauen, dass es unmöglich war selber damit zu senden. Da die Technik aus der Telegrafie kam, war die Reichspost für die Sende- und Empfangstechnik zuständig. So musste jedes Radio bei der Post angemeldet werden und man musste eine Gebühr entrichten – damals wie heute werden die Einnahmen dieser Gebühr zur Instandhaltung und Bereitstellung der Sendetechnik verwand.
Das Dritte Reich und ein neues Massenmedium
Da die gesamte Radiotechnik von Anfang an staatlich kontrolliert war, viel es den
Nationalsozialisten nach ihrer Machtübernahme leicht, das Radio in den Dienst ihrer Ideologie zu stellen. Damit möglichst viele Menschen die Botschaften des Führers empfangen konnten, ließ man den günstigen ‘Volksempfänger‘ produzieren. Die technische Bezeichnung ‘VE 30 1‘ sollte an das Datum Hitlers Machtübernahme am 30.01.1933 erinnern.
Mit dem Kriegsbeginn 1939 war das Hören von ausländischen ‘Feindsendern‘ streng verboten. Wer mithörte und Informationen aus den ‘Feindsendern‘ weiter erzählte musste mit der Todesstrafe rechnen.
Die Wiedergeburt des Radios
Fünf Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands gegenüber den Alliierten verstummte der letzte Propagandafunk. Radio sollte nie wieder ein zentrales Instrument der Nachrichtenübertragung sein. Es entstanden die acht dezentral organisierten Sender
- NWDR (später NDR und WDR),
- BR,
- HR,
- SDR,
- RB,
- SWF,
- RIAS (später SFB, heute RBB),
- SR.
Mit der Zeit wurden die Siegermächte inhaltlich liberaler und so wurde das Radio zur Umerziehung und Bildung genutzt. Kulturell gesehen hatten die Deutschen eine Menge nachzuholen, sodass ein großer thematischer Wert auf Musik und Literatur gelegt wurde. 1949 gingen die Sender endgültig in deutsche Hände über. 1950 schlossen sich dann alle Sender zur ARD (Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands) zusammen.
Das UKW-Radio
In den 50er Jahren gab es vor allem nationale Radioprogramme mit großer Reichweite. Da Deutschland keinen zentralen Rundfunk mehr haben sollte entschied man sich dazu, die Ultrakurzwelle weiter zu erforschen. Sie lieferte ein neues Klangerlebnis und sie hatte eine geringe Reichweite. Zunächst hatte das UKW-Radio wenig Hörer, da es teure Empfangsgeräte brauchte. Doch in Zeiten des Wirtschaftswunders erledigte sich auch dieses Problem.
Das Popradio
In den Radios gab es bis in die 70er hinein eine blockweise Anordnung der Sendungen. Nach den Nachrichten, folgte Klassik, dann die Hitparade und dann ein Hörspiel. So gab es keinen Lieblingssender, sondern nur Lieblingssendungen zu einer bestimmten Zeit, vergleichbar mit dem heutigen Fernsehkonsum. Doch die Hörer wollten nicht mehr auf ihr Lieblingsthema warten. Es entstand die Popwelle: Mehr Abwechslung, sehr schnelle Berichterstattung und viel Musik. Das Einschaltradio wurde zum Begleitprogramm.
Die Privaten kommen
Bis dahin war Radio immer öffentlich-rechtlich organisiert. Es gab keinerlei private Sender. Durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts 1981 wurde privaten Institutionen der Weg frei gemacht. Die ARD-Sender gerieten zunehmend unter Druck und verloren Hörer. Die Programme wurden stärker formatiert und zum Beispiel stärker auf bestimmte Alters- und Szenegruppen zugeschnitten. Die meisten privaten Sender spielen Adult Contemporary (AC). Kritiker bezeichnen diese Mischung aus Mainstream und Popmusik als ‘Dudelfunk’ – eintöniges Mischmasch, dass all zu oft als ‘Vielfalt’ deklariert wird.
Die Zukunft des Radios
Die Musikgeschmäcker der Menschen werden immer unterschiedlicher. Die Mainstream-Radios verlieren immer mehr Hörer. Eine populäre Entwicklung sind Podcasts. Sozusagen Do-It-Yourself-Radiobeiträge von Nutzern für Nutzer. Nach dem Motto: ‘Wenn ich keinen passenden Radiosender finde, dann baue ich ihn mir halt selber!’ Podcasts bedrohen jedoch nicht die Radiobranche. Sie enthalten weder aktuelles Wetter, noch aktuelle Verkehrsinfos und erstrecht keine Moderation. Die individuelle und hoch spezialisierte Mediennutzung hat in der Zukunft aber trotzdem höchste Priorität. Die Radios müssen reagieren! Eine Möglichkeit sind Spartenradios. Unter der Dachmarke ‘Radio XYZ’ gibt es dann ‘Radio XYZ Classic’, ‘Radio XYZ Oldie’ und ‘Radio XYZ Dance’.
Buch-Tipps
- ‘Schnellkurs Medien’
- Broschiert: 192 Seiten
- Autorin: Ivonne Eisenkolb
- Verlag: Dumont Buchverlag, 2007
- ISBN: 978-3-8321-7641-9
- ‘Der Fischer Atlas Medien’
- Taschenbuch: 128 Seiten
- Autoren: Mark Balnaves, James Donald, Stephanie Hemelryk Donald
- Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag, 2001
- ISBN: 978-3-5961-5121-9
Link-Tipps:
- Geschichte des Radios (Planet Wissen – WDR)
- Die Geschichte des Rundfunks als .pdf-Datei (Gebühreneinzugszentrale – GEZ)
- Interview mit der Musikchefin und Pressesprecherin von ‘Radio Hamburg’ mit Ausblick auf die nahe Zukunft des Radios (ZUENDER – Das Netzmagazin)
- Jugendliche verweigern sich Radiomachern (NDR – Zapp | Das Medienmagazin)

